Liebes Deutschland!

Ich schreibe Dir als Sohn eines deutschen Vaters und einer argentinischen Mutter. Ich wurde vor fast 58 Jahren in Buenos Aires geboren. Mein Vater war ein deutscher Offizier im Zweiten Weltkrieg, ein Fallschirmspringer und erreichte während des Krieges den Rang eines Hauptmanns. In der Zeit war er unter anderem in Libyen und Monte Cassino. Mein Vater war ein Einzelkind und kam nach dem Krieg im Jahr 1948 nach Argentinien. Im Krieg hat er alles verloren, seine Eltern und den Bestiz der väterlichen Familie in Ostpreussen. In Argentinien hat er Arbeit bekommen. Im Jahr 1978 ist er verstorben. Meine Mutter war eine Spanisch-und Geschichtslehrerin am Gymnasium.

Dieser Brief hat eine direkte Beziehung zu deiner Wiedervereinigung vor 25 Jahren. Als argentinischer Diplomat, habe ich vor, während und nach der Wiedervereinigung drüben gelebt. Ich feierte mit Millionen von Deutschen den historischen Moment des Falls der Berliner Mauer am 9. November 1989 während meines Aufenthaltes in Hamburg. Ich weiß nicht, ob Sie wissen, liebes Deutschland, dass ein Stück der Berliner Mauer seit 1999 im Garten unseres Aussenministeriums steht . Es wurde Argentinien von der deutschen Regierung geschenckt. Von meinem Büro aus sehe Ich es jeden Tag. Ich denke, dass dieses Geschenk zeigt wie Nah sich Argentinien und Deutschland stehen.

Die Veranstaltungen zur Wiedervereinigung im Oktober letzten Jahres und dieser Brief haben mich ziemlich beschäftigt. Aber diese Zeilen schreibe ich gerne. Du und Argentinien habt seit 1857 diplomatischen Beziehungen. Heute leben über eine Million Deutsche in Argentinien, diese sind zum Teil Einwanderer und deren Nachkommen. Beide Länder sind alte Geschäftspartner, es gibt viele deutsche Unternehmen in Argentinien. Auch werden gemeinsame Werte und Prinzipien geteilt, die im deutschen Grundgestez und der Aargentinischen Verfassung enthalten sind, wie zum Beispiel die Freiheit, Achtung der Menschenrechte und die Marktwirtschaft. Unsere Zussamenarbeit in Wissenschaft und Technologie ist sehr wichtig, deshalb befindet sich das Max-Planck-Institut für Lateinamerika in Buenos Aires, die einzig andere Niederlassung des Instituts im Ausland befindet sich in Shanghai.

In Argentinien schätzen wir dieses Vertrauen und die Geduld die Du trotz unserer wirtschaftlichen Probleme mit uns hast, sehr. Wir waren wichtige Handelspartner und wir werden es auch wieder sein, da ich bin mir sicher, wenn wir unsere Schwierigkeiten in den Griff bekommen. Deine Toleranz gegenüber den Anderen und den Immigranten unterscheidet Dich in Europa und weltweit. Mein Land schätzt diese Toleranz, die auch wir hier in Argentinien als Einwanderungsland haben.

Für all dieses, vielen Dank, liebes Deutschland!

Pedro von Eyken

Buenos Aires, Argentinien, 27. Juli 2015

Über den Autor: Pedro von Eyken wurde 1957 in Buenos Aires geboren. Sein Vater war ein deutscher Offizier während des Zweiten Weltkrieges und seine argentinische Mutter war Lehrerin für Spanisch. Er ist Politologe und seit 1983 Berufsdiplomat. Von Eyken war zweimal auf Posten in Deutschland, zuerst in Hamburg (1986-1991) und dann in Bonn (1993-1998). Später war er auf Posten in Kuba (2006- 2009).

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